Anwalt Rostock Familienrecht

Wechselmodell als Betreuungsmodell für Kinder von getrennt lebenden Eltern

Trennen sich Eltern, stellt sich regelmäßig die Frage, wer die Kinder zukünftig betreut bzw. beim welchem Elternteil die Kinder hauptsächlich wohnen. Sicher ist es in Deutschland noch so, dass die Kinder meist nach einer Trennung bei der Mutter leben. Dies gilt umso mehr, je jünger die Kinder sind. Es gibt aber auch Eltern, die auch nach einer Trennung so fair und respektvoll miteinander umgehen können, dass sie sich die Betreuung auch nach der Trennung oder Scheidung gleichberechtigt teilen. Für solche Fälle gibt es in Sachen Kinderbetreuung das Prinzip des Wechselmodells. Das bedeutet, dass beide Elternteile gleichwertige Betreuungsleistungen erbringen. Das kann in der Praxis heißen, dass die Kinder jeweils eine Woche bei dem einen Elternteil wohnen und in der nächsten dann bei dem anderen. Der Wechsel kann aber auch in größeren Abständen vollzogen werden - etwa so, dass man alle zwei Wochen wechselt.
Das Wechselmodell ist relativ umstritten in Deutschlands Jugendämtern und Familiengerichten. Es gibt Jugendamtsmitarbeiter, die der Ansicht sind, ein Kind benötigt immer einen festen Pol und eben ein Elternteil, wo es zu Besuch ist. Familiengerichte ordnen das Wechselmodell auch nie gegen den Willen eines Elternteiles an.
Diese Praxis hat das OLG Karlsruhe nun auch einmal zu Papier gebracht.
In einem Beschluss vom 21. 5. 2015 hatte das Gericht auf einen Antrag eine Vaters zu entscheiden, der einerseits beantragte, ein Umgangsrecht zu seinem Kind eingeräumt zu bekommen, durch welches sein Kind etwa 2/3 der Zeit bei ihm leben würde und hilfsweise hatte er beantragt, ein Wechselmodell anzuordnen. Dabei hatte aber nur die Mutter das Aufenthaltsbestimmungsrecht für das Kind inne. Das Aufenthaltsbestimmungsrecht ist ein Teil des Sorgerechtes und berechtigt dazu, zu bestimmen, wo sich das Kind für gewöhnlich aufhält.
Der Vater konnte mit seinen Anträgen keinen Erfolg haben:
Zum einen ist strikt zwischen Umgangsrecht und Sorgerecht zu unterscheiden. Eine Umgangsregelung darf das Aufenthaltsbestimmungsrecht (als Teil des Sorgerechtes) nicht unzulässig beeinträchtigen, „denn nur das Aufenthaltsbestimmungsrecht beinhaltet das Recht zu entscheiden, in welchem Haushalt das Kind nach Trennung der Eltern hauptsächlich leben, aufwachsen und betreut werden soll“.
Ein Wechsel des Lebensmittelpunktes, wie ihn der Vater ja quasi mit dem ausgeweiteten Umgangsantrag beantragt hatte, „kann gegen den Willen eines aufenthaltsbestimmungsberechtigten Elternteils deshalb nur über Erlangung des alleinigen Aufenthaltsbestimmungsrechts und nicht über das Umgangsrecht erreicht werden“.
Ansonsten würden die funktionsbedingten Grenzen des Umgangsrechts überschritten.
Sodann hatte das Gericht noch über das Wechselmodell zu entscheiden.
Bei dieser sorgerechtlichen Frage hat das Gericht immer zu prüfen, ob die beantragte Regelung dem Kindeswohl entspricht.
Hierzu führte das Gericht zunächst aus, dass die Auswirkungen des Wechselmodells auf das Kindeswohl noch nicht abschließend entwicklungspsychologisch untersucht wurden.

Das Gericht erkennt aber mehrere Vorteile des Wechselmodells: „So ermöglicht es die Aufrechterhaltung enger Eltern-Kind-Beziehungen zu beiden Eltern, das Kind kann den Alltag mit beiden Eltern erleben, beide Eltern bleiben in der Verantwortung für das Kind und die Eltern werden von der Mehrfachbelastung eines alleinerziehenden Elternteils teilweise entlastet“.

Das Gericht sieht aber auch erhebliche Nachteile für das Kindeswohl in dem Betreuungsmodell: „Dem Kind wird ein fester und dauerhafter Lebensmittelpunkt entzogen, was bei unterschiedlichen Lebens- und Erziehungsregeln der Eltern zur Folge hat, dass das Kind durch ein „Wechselbad“ verschiedener Erziehungsstile zusätzlich belastet wird.“
Das OLG schlussfolgert daraus, dass das Praktizieren eines Wechselmodells nur dann dem Kindeswohl entspricht, wenn die Kindeseltern in der Lage sind, die Nachteile des Wechselmodells durch ein hohes Maß an Kooperation, Kommunikation und Kompromissbereitschaft zu reduzieren.

„Voraussetzung für ein Wechselmodell ist deshalb, dass zwischen den Eltern objektiv Kooperationsfähigkeit und subjektiv Kooperationsbereitschaft besteht. Denn regelmäßige Aufenthaltswechsel stellen insbesondere im Schulalltag höhere Anforderungen an die Eltern als ein Umgang lediglich in der Freizeit bzw. im Rahmen einer gelegentlichen Hausaufgabenbetreuung und Lernwiederholung. Zudem müssen die Kindeseltern auch ein einheitliches Erziehungskonzept entwickeln und dabei von der Erziehungsfähigkeit des anderen Elternteils überzeugt sein. Das Wechselmodell setzt damit deutlich mehr als nur ein Mindestmaß an Übereinstimmung in wesentlichen Bereichen und insgesamt eine tragfähige soziale Beziehung zwischen den Eltern voraus. Darüber hinaus müssen die Eltern in der Lage sein, ihre Konflikte einzudämmen und sich hochmotiviert an den Bedürfnissen des Kindes zu orientieren. Dies gelingt erfahrungsgemäß nur, wenn ein Konsens zur Durchführung der wechselseitigen Betreuung und ein gemeinsamer Kooperationswille besteht.“

Dabei ist es auch nicht relevant, dass eine etwaig fehlende Kompromissbereitschaft nur von einem Elternteil ausgeht und dieses Elternteil daher an dem fehlenden Konsens „schuld“ ist.
Der Grund für die unterschiedlichen Ansichten und für eine eventuell fehlende Kommunikation zwischen den Eltern ist für die Entscheidung des Gerichtes absolut egal.
Es kommt nur darauf an, ob die Kooperationswilligkeit vorhanden ist oder nicht.

In dem zu entscheidenden Fall war die Kindesmutter mit einem Wechselmodell nicht einverstanden. Somit war der Wille zur engen Kooperation zwischen den Elternteilen nicht vorhanden und das Gericht konnte das Wechselmodell nicht anordnen.

Haben Sie Fragen zum Wechselmodell oder zu anderen Formen der Sorgerechts-Ausübung, so rufen Sie uns an und vereinbaren einen Termin mit unserem Rostocker Büro.

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Ihr Ansprechpartner:

Foto von Mathias DrewelowRechtsanwalt LL. M.
Mathias Drewelow

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Fragen und Antworten: Sorgerecht

Kann man bei geteiltem Sorgerecht alleine entscheiden, ob das Kind geimpft wird?

Unter welchen Voraussetzungen können nichteheliche Väter gemeinsam mit der Mutter die elterliche Sorge ausüben?

Wie wichtig ist der Wille des Kindes bei einer Sorgerechtsentscheidung?

Über welche Fragen müssen Eltern gemeinsam entscheiden, wenn sie das gemeinsame Sorgerecht haben?

Was passiert bei Wechselmodell mit dem Kindesunterhalt?

Ist dem nichtehelichen Vater das Sorgerecht eingeräumt, wenn Eltern vor der Geburt eine solche schriftliche Erklärung aufschreiben?

Wann dürfen Kinder im Wechselmodell betreut werden?

Kann ich das Familiengericht anrufen, wenn ich mich mit dem sorgeberechtigten anderen Elternteil über eine Frage betreffend der Kinder nicht einigen kann?

Kann das Jugendamt Eltern das Sorgerecht entziehen?

Können auch nur einzelne Teile des Sorgerechts entzogen werden?


Nachrichten: Sorgerecht

Kann ich erreichen, dass mein Kind im Wechselmodell betreut wird?

Wann sollte man das alleinige Sorgerecht beantragen?

Unter welchen Voraussetzungen kann das Sorgerecht im einstweiligen Verfahren entzogen werden?

Auch bei gerichtlichen Sorgerechtsanträgen kann man einen Antrag auf Verfahrenskostenhilfe stellen

Aufhebung eines Wechselmodells gegen den Willen eines Elternteils?

Kann ich mit dem anderen Elternteil vereinbaren, dass das Sorgerecht oder Teile des Sorgrechts nur einem Elternteil zustehen?

Unter welchen Voraussetzungen wird einem Elternteil das Sorgerecht entzogen?

Gemeinsames Sorgerecht steht nicht nur "perfekten" Eltern zu!

Wann kann einem Elternteil das Sorgerecht entzogen werden?

Wann bekomme ich Prozesskostenhilfe im Sorgerechtsverfahren?

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