Anwalt Rostock Familienrecht

Unter welchen Voraussetzungen wird einem Elternteil das Sorgerecht entzogen?

Die Entziehung des Sorgerechts für das eigene Kind ist der schwerste Eingriff in die Rechte des Elternteiles und des Kindes. Das vorausgeschickt, macht klar, dass der Sorgerechtsentzug nur das letzte Mittel darstellen darf. Das bedeutet auch, dass alle anderen, zur Verfügung stehenden Mittel, vorrangig heranzuziehen sind.

Es muss unterschieden werden, ob nur einem Elternteil das Sorgerecht entzogen werden soll oder beiden Elternteilen. Sollen beiden Elternteilen sämtliche Bereiche der elterlichen Sorge entzogen werden (Gesundheitssorge, Vermögenssorge, schulische Belange, Alltagssorge), muss dafür eine Kindeswohlgefährdung vorliegen. Meist wird ein solches Sorgerechtsentzugsverfahren durch die Jugendämter eingeleitet. Es kann aber grundsätzlich auch auf Antrag einer anderen Person bei Gericht eingeleitet werden.

Das Sorgerecht entziehen kann danach nur das Familiengericht. Dabei hat das Gericht zu prüfen, ob das körperliche, geistige oder seelische Wohl eines Kindes bei seinen Eltern gefährdet ist. Dabei kann das Wohl auch durch das Verhalten (etwa eines im Haushalt eines Elternteils lebeden) Dritten gefährdet sein.

Es muss eine nachhaltige geistige oder seeische Gefährdung zu befürchten sein. Das bedeutet, dass die Befürchtung für eine Gefährdung bereits ausreicht. Übrgens stellt eine körperliche Züchtigung eines Kindes immer schon eine Kindeswohlgefährdung dar. Ebenfalls ein sexueller Mißbrauch - natürlich auch ein sexueller Mißbrauch durch Dritte, wenn die Eltern nicht in der Lage sind, diesen zu verhindern.

Eine Kindeswohlgefährdung kann auch dadurch entstehen, dass der betreueunde Elternteil den Umgang zum anderen ELternteil boykottiert oder Umgangskontakte abbrechen lässt. In diesem Fall kann dem betreuenden Elternteil für den Zeitraum des Umgangs das Aufenthaltsbestimmungsrecht entzogen werden. Ein milderes Mittel stellt es übrigens dar, wenn für diese Zeit ein sog. Umgangspfleger bestellt wird.

Das Verbingen des Kindes ins Ausland stellt allein wohl noch keine Kindeswohlgefährdung dar. Die fehlende Überwachung des Schulbesuchs der Kinder stellt ebenfalls eine Kindeswohlgefährdung dar. Der nicht vorhandene Einfluss auf die Schulbesuche kann als Erziehungsversagen und damit auch als Kindeswohlgefährung gewertet werden.

Werden Kinder etwa aus religiösen Gründen vom Schulbesuch abgehalten, zieht dies staatliche Sanktionen nach sich, weil der Staat die Aufgabe hat, die Kinder zu erziehen.

Weitere Formen der Kindeswohlgefährung sind die Verweigerung medizinischer Behandlungen. Hierunter fallen auch die Fälle, in denen Eltern die Gabe von notwendigen Medikamenten verweigern.

Die Vernachlässigung von Kindern spielt bei der Kindeswohlgefährdung ebenfalls eine Rolle. Hierunter fallen auch die Fälle alkoholabhängiger Eltern.

Auch die Einflusnahme Dritter in Patchwork-Familien kann zum Problem werden.

Bei ausländischen Eltern kann es aufgrund kultureller Unterschiede zu Problemen mit den hiesigen Erziehungsvorstellungen kommen. Es gilt dabei in Deutschland stets das deutsche Recht zu beachten. Das gilt für Fragen der Züchtigung, der Beschneidung und des Verhaltens in der Schule und gegenüber Dritten.

Verübt das minderjährige Kind regelmäßig Straftaten, kann dies zur Überprüfung der Erziehungseignung des Elternteiles führen.

Wie Sie sehen, gibt es verschiedenste Gründe, Eltern das Sorgerecht zu entziehen.

Besteht die Gefahr der Sorgerechtsentziehung, kann der betroffene Elternteil in vielen Fällen aber noch etwas (oder sich) ändern. In diesen Fällen gilt es, sich mit anwaltlichem Rat auf ein solches Verfahren vorzubereiten. Wie eingangs erwähnt, soll die Entziehung des Sorgerechts immer das letzte Mittel darstellen. Es gilt, die zuvor in Frage kommenden Mittel auszunutzen. Das kann durch die Inanspruchnahme von Familienhilfe geschehen, dass kann durch Beratung bei Hilfeträgern erfolgen. Wichtig ist in diesem Fall, dass das Gericht und das Jugendamt den zutreffenden Eindruck erhalten, die Eltern können es doch besser und sind letztlich in der Lage für ihr Kind zu sorgen.

Haben Sie weitergehende Fragen zum Entzug des Sorgerechtes oder droht Ihnen ein solches Entzugsverfahren, so rufen Sie uns an und vereinbaren einen Termin in unserer Rostocker Kanzlei.

 

 

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Ihr Ansprechpartner:

Foto von Mathias DrewelowRechtsanwalt LL. M.
Mathias Drewelow

Telefon: 0381/25296970
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